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Nachrichten über Köniz im 'Bund'

19.05.2011

Jedermann-Kraftwerk II


Berechnungen von Kassensturz und Nano beweisen: die meisten Kraftwerksbetreiber wehren sich aktiv gegen die individuelle Stromerzeugung

Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wehrt sich die Stromindustrie gegen die individuelle Stromerzeugung. Einspeisevergütungen sind lächerlich tief, es werden Netzkosten verrechnet, die nirgendwo anfallen und politisch wird mit einem 'massiv höheren Strompreis' und der 'Wiedereinführung' der CO2-Schleudern wie Gas-/Kohlekraftwerke gedroht! Gleichzeitig soll die Stauseekapazität erhöht werden, um uns zur 'Batterie Europas' zu machen. Was haben wir davon? Diese Massnahmen sind gegen die Interessen der Bürger gerichtet und somit (Bund und Kantone sind Mehrheitsaktionäre der meisten dieser Betriebe) gegen deren Besitzer. Ein wohl einmaliger und denkwürdiger Schritt. Man müsste sich die Frage stellen, ob unsere Volksvertreter ihre Hausaufgaben in diesem Bereich nicht gemacht haben. Ein Management/Verwaltungsrat, der solches tut, gehört ausgewechselt. Die 'Töne' sind angekommen, jedoch die Musik gefällt uns nicht.

Die Einspeisevergütungen

Kassensturz von SF TV zeigt eindrücklich, wie die Stromindustrie ihre Kunden abzockt.

Wie ich bereits in meinem letzten Artikel zu diesem Thema erläutert habe, lässt sich eine Photovoltaik-Anlage auch ohne Einspeisevergütung realisieren. Allerdings verschenken wir uns damit das Potenzial zahlreicher kWh, die wir in unserem Land dringend benötigen.

Hier ist die Politik gefordert, gleichlange Spiesse für Stromkonzerne und die individuelle PV-Stromproduktion zu schaffen. Gleichzeitig sind unverständliche Bauvorschriften abzubauen, die den Bau von PV-Anlagen verhindern oder behindern.

Netzkosten?

Wie Professor Urs Muntwyler von der Berner Fachhochschule eindrücklich erklärt, ist die Verrechnung der gesamten Netzkosten nicht gerecht. Der Strom, der auf meinem Haus erzeugt wird, fliesst nämlich nicht in einer sternförmigen Struktur zurück zur Zentrale des Netzbetreibers sondern wird von der Nachbarschaft verbraucht! Transformatoren, Hochspannungsleitungen etc. werden gar nicht benutzt. Zudem bezahlt mein Nachbar erneut die gesamte Netzkapazität beim Bezug meines PV-Stromes.

Ersatz der AKWs mit Gas-/Kohlekraftwerken führt zu einen erhöhten CO2-Ausstoss?

Die Stromkonzerne spielen mit der Angst der Bevölkerung, die Stromproduktion würde durch den Einsatz von Gas-/Kohlekraftwerken einen erhöhten CO2-Ausstoss zur Folge haben. Bei Ihren Berechnungen bauen sie aber darauf, dass die Stromproduktion nach wie vor zu nahezu 100% in den Händen ihrer Konzerne bleibt und zentral gesteuert wird. Die individuelle Stromerzeugung findet keinen Eingang in diese Überlegungen bzw. wird mit dem Hinweis auf die äusserst geringe Nutzung indiv. Stromerzeugung in der Vergangenheit begründet. 'Vergessen' wird dabei, dass es genau die selben Konzerne sind, die diese Alternativen nach Kräften verhindert haben.

Höherer Strompreis?

Es ist unbestritten, dass Atomstrom konkurrenzlos günstig ist. Die Kosten für den Bau eines KKWs sind hoch, die laufenden Kosten jedoch äusserst niedrig. Die Erzeugerpreise liegen bei 2.65 Eurocent pro kWh. An einem Vortrag der BKW habe ich einen Preis von ca. 3.5 Rappen gehört. Wasserkraft zB.ist etwa doppelt so teuer.

In dieser Rechnung nicht enthalten sind die zahlreichen Nebenkosten (zB. Versicherung), die im Falle eines realisierten Risikos dann vom Steuerzahler und den Betroffenen im Gebiet bezahlt werden müssten. Um es klar zu verdeutlichen: Tritt Radioaktivität in Mühleberg aus, wird ein Gebiet von Laupen bis Aarberg, von Murten bis Bümpliz/Bern mit Sicherheit unbewohnbar (20km Radius). Erweitert man den Radius auf eine Sicherheitszone von 40km sind Bern, das Seeland und weite Teile des Schwarzenburgerlandes/Freiburgerlandes unbewohnbar.

Ähnlich stellt sich die Situation in Beznau dar: die Achse Bern-Zürich wäre unbenutzbar, Teilen Süddeutschlands bis Bülach/Winterthur droht das gleiche Schicksal wie bei Mühleberg.

Rechnet man die Risiken mit ein, wird Atomstrom deutlich teurer. Dabei ist nur die monetäre Situation abgegolten. Dass weite Teile der Schweiz damit unbewohnbar wären, hätte aber weitreichendere Folgen. Der Verlust des Heims, persönlicher Gegenstände und insbesondere fehlender Lebensraum wären schlicht fatal und würde zu letztlich zu riesigen, unkontrollierbaren sozialen Veränderungen führen.

Wir müssen uns überlegen, wieviel Atomstrom tatsächlich kostet.

Strompreiserhöhung - ein zweischneidiges Schwert

Die Drohung, der Strompreis würde beim Ausstieg aus der Kernkraft deutlich steigen (Karrer), ist zweischneidig: durch den höheren Strompreis der Stromkonzerne wird die individuelle Stromproduktion mit PV-Anlagen verhältnismässig günstiger... Mehrwertsteuer, Gemeindeabgaben, Netzabgaben etc. fallen ohnehin weg. Es sei denn, Marktteilnehmer oder die Politik verhindern das durch weitere Schikanen.

Fazit

Wir müssen nun sehr schnell und wirksam unsere Hausaufgaben machen und die politische Diskussion hart aber sachlich und mit wissenschaftlichen Grundlagen führen. Wir haben das Recht, zu wissen, womit wir zu rechnen haben. Es müssen also Fakten erarbeitet und ausgebreitet werden. Dem Lobbyismus der Stromkonzerne können wir bei den nächsten Wahlen begegnen. Die BKW beispielsweise erwirtschaftete 2010 einen Gewinn von CHF 404 Mio bei einem Umsatz von ca. CHF 3 Milliarden und einer Bilanzsumme von rund CHF 6 Milliarden - deren Interessen liegen auf der Hand.

Gesetzliche Massnahmen sind wohl notwendig, um die Balance wieder herzustellen, sie sollen jedoch so sanft wie möglich aber so griffig wie nötig sein. Ein freiwilliges Einlenken 'unserer' Stromkonzerne wäre begrüssenswert und würde zeigen, dass sie Energie nicht nur mit 'Sicherheit' sondern auch verantwortungsvoll und zukunftstauglich anbietet.

© 2009-2011adi@AdiForParlament.ch